Was wissen andere über euch?

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Habt ihr in den letzten Tagen auch so viele E-Mails mit diesem Betreff bekommen? “Wir aktualisieren unsere AGB/Datenschutzbestimmungen“. Mich hat überrascht, bei wie vielen Diensten ich noch angemeldet bin. Eine gute Gelegenheit, mal etwas aufzuräumen und den ein oder anderen Dienst abzumelden, oder zumindest nachzufragen, welche persönlichen Daten gespeichert wurden.

Wenn ihr wissen möchtet, welche Daten andere Unternehmen und Webseiten über euch speichern, könnt ihr eine Selbstauskunft verlangen. Sofern eure Anfrage die richtige Form hat, sind die Unternehmen verpflichtet, euch vollständige und wahrheitsgemäße Antworten zu geben.

Zugegeben, das Thema ist nicht neu. Eine Selbstauskunft war schon länger möglich. Allerdings ist das Ganze für Verbraucher nun deutlich angenehmer, der kürzlich in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sei dank. Ihr müsst lediglich eine E-Mail an das Unternehmen bzw. den Dienstanbieter schicken. Ihr benötigt die korrekte E-Mail-Adresse und folgende Vorlage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nach Art. 15 DS-GVO habe ich ein Auskunftsrecht über meine personenbezogenen Daten.

Bitte teilen Sie mir daher gemäß Art. 15 Abs. 1 DS-GVO mit, ob Sie personenbezogene Daten verarbeiten und geben Sie ggf. Auskunft über diese Daten. Insbesondere möchte ich Sie bitten, mir die folgenden Informationen mitzuteilen:

  1. Welche Daten über meine Person sind bei Ihnen gespeichert oder werden durch Sie verarbeitet?
  2. Zu welchem Zweck wurden diese Daten verarbeitet?
  3. Welchen Empfängern oder Kategorien von Empfängern wurden meine personenbezogenen Daten offengelegt?
  4. Sofern die personenbezogenen Daten nicht bei mir erhoben wurden, geben Sie mir bitte alle verfügbaren Informationen über die Herkunft der Daten.
  5. Falls meine personenbezogenen Daten an ein Drittland oder eine internationale Organisation übermittelt wurden, bitte ich Sie, mir mitzuteilen, welche Garantien gemäß Art. 46 DS-GVO vorgesehen sind.

Gemäß Art.15 Abs. 3 DS-GVO bitte ich um eine Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind.

Ich bitte Sie, mir diese Auskunft unverzüglich zu erteilen. Sollte ich binnen eines Monats nach Versand dieser E-Mail keine Rückmeldung erhalten, werde ich mich an die zuständige Aufsichtsbehörde wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Diese Vorlage stammt vom Blogger Jens Kubieziel und wurde vor kurzen auf seinem Blog Qbi’s Weblog veröffentlicht. Für IT-affine lohnt sich ein Besuch immer.

 

Was ihr erwarten könnt

Die DSGVO regelt ganz klar, wie die Antwort auf eine Selbstauskunftsanfrage auszusehen hat. Die oben genannte Vorlage bietet keinerlei Spielraum zur Interpretation und dürfte von seriösen Anbietern nicht abgewiesen werden. Es ist zudem ausgeschlossen, dass von euch eine Begründung oder eine Zahlung für die Auskunft verlang werden darf. Und ja, das gilt auch für die SCHUFA!

Ihr solltet binnen weniger Tage eine Mail erhalten, die alle in der Vorlage gestellten Fragen beantwortet. Im Idealfall wird die Mail sehr umfangreich. Wenn ihr das Gefühl habt, das Angaben fehlen, steht euch frei, den Anbieter erneut zu kontaktieren und die Vervollständigung der Daten zu verlangen. Gut möglich, dass ihr das sogar zwei Mal machen müsst. Amazon rückt beispielsweise nicht sofort all eure Daten raus.

Falls Unternehmen keinerlei Daten über euch haben, dürfen sie eure Anfrage nicht ignorieren. Sie müssen euch in jedem Fall eine Antwort schicken. Und wenn sie nur “Keine Daten vorhanden” oder ein Verweis auf den korrekten Ansprechpartner beinhaltet.

 

Sinn und Zweck

Auf Grundlage der Selbstauskunft könnt ihr besser entscheiden, ob und in welchem Umfang ihr weiterhin mit Dienstleistern zusammenarbeiten wollt. Ihr erfahrt, welche Daten an Dritte weitergegeben werden (können) und könnt die Weitergabe sogar unterbinden. Dabei darf euch der Dienstleister nicht mal von seinem Dienst ausschließen. Es greift das sogenannte “Kopplungsverbot”. Inwiefern dies umgesetzt werden kann, hängt natürlich vom jeweiligen Dienst ab. In einigen Fällen wird der Dienstleister ein berechtigtes Interesse haben, gewisse Daten weiterzugeben, beispielsweise an Lieferdienste oder Netzbetreiber.

Die Selbstauskunft bietet euch zudem einen Überblick über Drittanbieter, welche eure Daten besitzen, sodass ihr auch denen eine Auskunftsanfrage schicken könnt. Was auch immer eure Beweggründe sind, eine Selbstauskunft einzuholen. Nutzt die Möglichkeit! Für mich ist dies ein Werkzeug, um feingranular und detailliert zu bestimmen, wer welche Daten wohin schicken darf und wer nicht. Zudem wird auch Dienstleistern bewusst, wie groß das Interesse am Datenschutz bei den Verbrauchern ist.

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