Was ist bei WhatsApp los?

Gelesen in 3 Minuten

Da stimmt was nicht. Einer der beiden Gründer von WhatsApp, Jan Koum, verlässt den Mutterkonzern Facebook. Der Andere ist schon länger weg, aber Jan ist geblieben, um sicherzustellen, dass WhatsApp so datenschutzfreundlich bleibt, wie es nur geht. Offenbar wird sich das bald ändern. 

Eine kurze Reise in die Vergangenheit: Jan Koum und Brian Acton entwickeln WhatsApp. Damals noch ohne Facebook. Zunächst konnten damit Statusmeldungen verbreitet werden, die dann von allen Freunden gelesen werden konnten. Später entwickelte sich daraus ein Chatprogramm, und somit eine der erfolgreichsten Apps für alle Smartphones. Im Februar 2014 kaufte Facebook das Unternehmen und Jan Koum wechselte in den Verwaltungsrat von Facebook. Im November 2014 wurde bekannt gegeben, das WhatsApp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erhalten soll, was später umgesetzt wurde. Seitdem sollen alle Chatinhalte verschlüsselt. 

 

Alles ist „verschlüsselt“

Diese Verschlüsselung soll sicherstellen, dass alles was in WhatsApp gesendet und empfangen wird, nur vom Sender bzw. Empfänger gesehen werden kann. Kritik gab (und gibt) es dennoch. Denn obwohl die Verschlüsselungsmethode als (relativ) sicher bekannt ist, konnte niemand zweifelsfrei darlegen, dass sie auch an allen relevanten Stellen greift. 

Facebook hat weder einen Einblick in den Quellcode von WhatsApp zugelassen, noch einen Blick in die dahinterstehende Serverstruktur. Somit war es unabhängigen Dritten niemals möglich, die Sicherheit der Verschlüsselung zu prüfen oder zu bestätigen. Zudem gab es etliche Schwachstellen, die aufgedeckt, ausgenutzt und in der Fachpresse diskutiert wurden. Der Wunsch einer abhörsicheren Kommunikation war der Wirklichkeit also schon immer weit voraus. 

 

Alles bleibt wie es ist

Als bekannt wurde, dass WhatsApp von Facebook aufgekauft wird, war der Widerstand aus der Öffentlichkeit gewaltig. Viele Kritiker sahen hier ein massives Risiko für die persönlichen Daten der Nutzer. Dem entgegneten die WhatsApp-Gründer und Facebook mit dem Versprechen, dass sich nichts ans WhatsApp verändern wird. Es soll werbefrei bleiben (stimmt) und es wurde später sogar kostenlos. 

Jan Koum saß nun all die Jahre im Verwaltungsrat und wachte darüber, dass WhatsApp nicht von Facebook zerlegt wird. Ich vermute, das war ein harter Kampf, den er nun aufgegeben hat. Seinem Versprechen und seiner Pflicht gegenüber den Nutzern kann er wohl nicht mehr nachkommen. Ich bin erstaunt, dass er überhaupt so lange durchgehalten hat. 

 

Wertvolle Nutzerdaten

Die Chatinhalte waren für Facebook allem Anschein nach nicht zugänglich. Das ist von der Verschlüsselungstechnik zu erwarten und wurde von Mark Zuckerberg kürzlich bestätigt, was gerne angezweifelt werden darf. Die Inhalte sind jedoch extrem wertvoll für Facebook. Von außen lässt sich nicht sicherstellen, dass die Inhalte von Facebook nicht gesehen werden können. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass Jan Koum in seiner Rolle im Verwaltungsrat, von innen heraus sichergestellt hat, dass die Nutzerinhalte geschützt sind. Warum er gegangen ist, oder ob er „gegangen wurde“, wird so schnell nicht bekannt werden. Jedoch wird es Facebook nun ein ganzes Stück leichter fallen, früher oder später Einblick in die Chatinhalte zu bekommen.  

 

Alles hätte verhindert werden können

WhatsApp war ein unabhängiges Unternehmen. Mit diesem ausgesprochen komfortablen und zugänglichen kleinen Chatprogramm haben sie innerhalb kürzester Zeit, eine gigantische Plattform geschaffen. WhatsApp verbindet täglich Millionen von Menschen und ermöglicht den Gedankenaustausch über jede Distanz hinweg. 

Es hatte seine Schwächen, die man alle in den Griff bekommen hat. Fast alle. Denn die größte Schwäche war die Geldgier der WhatsApp-Gründer. Mit dem Verkauf von WhatsApp an Facebook wurde wissentlich die größte Sicherheitslücke aufgerissen, die ein Dienst haben kann. Zugegeben, 19 Milliarden Dollar sind eine unvorstellbare Menge Geld. Erst recht, wenn man 4 Milliarden davon in bar versprochen bekommt. 

Anscheinend wird früher oder später jeder schwach, dem einen Koffer voll Geld vors Haus gestellt wird, solange der Koffer groß genug ist. Warum Jan Koum nun gegangen ist, werden wir wohl kaum erfahren. Einen tieferen Einblick in die Machenschaften von Facebook werden wir auch nicht gewinnen. Er wird wohl kaum drüber reden, entweder, weil Facebook sich rechtlich abgesichert, oder ihm noch einen zweiten Koffer in die Hand gedrückt hat. 

Schreibe eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.