Gesichtserkennung in Facebook kommt

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Was Facebook in den USA schon längst durchführt, ist hierzulande noch verboten. Noch. Denn auch das wird sich in naher Zukunft ändern. Demnächst erschleicht sich Facebook von all seinen Nutzern innerhalb der EU das Recht, eine Gesichtserkennung durchzuführen und mithilfe dieser Daten zahlreiche Dienste und Auswertungen zu fahren. 

Das Thema ist nicht neu. Facebook versucht schon seit einiger Zeit, seine Gesichtserkennung auch bei Nutzern innerhalb der EU einzusetzen. Da wir jedoch momentan noch durch unsere Datenschutzverordnung davor bewahrt wurden, ist das System nicht aktiv. Falls ihr Mitglied von Facebook seid, erkennt ihr es daran, dass ihr aufgefordert werdet, Personen auf Fotos selbst zu markieren. Das System erkennt, wo die Gesichter sind, wertet jedoch nichts weiter aus. Sobald die Gesichtserkennung läuft, wird dieser Schritt entfallen. Hoffen wir, dass es gar nicht erst so weit kommt. 

 

Die Technik dahinter 

Über die Gesichtserkennung selbst ist nicht viel bekannt. Facebook hält sich wie immer sehr zurück, was den Einblick in deren Systeme betrifft. Fakt ist jedoch, dass das System Gesichter auf ihre Merkmale hin untersucht und daraus individuelle mathematische Werte (so was wie eine Seriennummer) errechnet. Dadurch ist es Facebook möglich, Gesichter auch auf neuen Fotos wieder zu erkennen. 

Darüber hinaus erkennt das System auch Emotionen, und somit den Gemütszustand des Nutzers. Das System ist schnell. Sehr schnell. Über die Frontkamera des Smartphones kann Facebook sogar auswerten, wie sich der Nutzer fühlt, während er auf Facebook etwas liest oder ein Spiel spielt. 

Frontkameras von Smartphones sind heutzutage sogar so gut, dass selbst weitere Dinge, wie Müdigkeit oder Unwohlsein über die Augen erkannt werden können. Ferner ist eine Pulsmessung über die Haut möglich. Ich kann nicht sagen, ob Facebook das ebenfalls nutzt, aber denkbar wär’s. 

 

Reichweite und Folgen 

In den USA ist die Gesichtserkennung bereits in vollem Einsatz. Facebook ermöglicht Werbekunden somit eine noch genauere Zuordnung ihrer Zielgruppen. Werbung wird nicht nur anhand der Interessen und Metadaten des Nutzers eingeblendet, sondern auch anhand seines Befindens gewählt. Erkennt das System anhand neuerer Fotos oder über die Frontkamera, dass der Nutzer grade gestresst ist, wird eine Werbeanzeige für ein Produkt eingeblendet, die ihn möglicherweise entspannt und dadurch anspricht. Ist der Nutzer grade entspannt mit seinem Alltag beschäftigt, gibt es Werbung, die ihn anregt und zu seinen Interessen in der Freizeit passt. 

Doch nicht nur die Optimierung von Werbeanzeigen ist möglich. Nach dem letzten Datenschutzskandal ist durchaus anzunehmen, dass Daten aus der Gesichtserkennung auch an andere Unternehmen verkauft worden sind. Ob diese zur Forschungs-, Marketing- oder anderen Zwecken benutzt werden, bleibt unklar. Zudem ist anzunehmen, dass diese Unternehmen ihre Daten wiederum an andere Unternehmen weitergeben, bei denen ebenfalls unklar ist, was sie damit alles anstellen.

Die US Regierung und deren Geheimdienste bekommen natürlich auch ein Stück vom Kuchen. Denn die Unternehmen in den USA sind nicht nur durch den USA PATRIOT ACT zur Zusammenarbeit verpflichtet, viele von ihnen tun es sogar freiwillig und aus falsch verstandenem Patriotismus sehr gerne. Somit liegen den Behörden auf Wunsch alle Daten vor, die Nutzer auf Facebook gespeichert haben. Inklusive Bilder.

 

Rechtliche Situation 

In Deutschland und der EU sind wir momentan, dank unserer Datenschutzverordnungen, vor so was geschützt. Und dank der DSGVO, die sehr bald in Kraft tritt, wird dieser Schutz noch weiter ausgebaut. Das bringt nur oftmals nichts, da Facebook (und andere Unternehmen) trotzdem dagegen verstoßen und kaum einer klagt. Und falls doch, laufen viele Klagen ins Leere oder dauern lange genug, um den Unternehmen die Zeit zu geben, noch einen ganzen Haufen Daten abzuschöpfen und ihr Verfahren so umzubauen, dass es vom Urteil nach der Klage nicht mehr betroffen ist. 

Zurück zum Thema. Die Gesichtserkennung wird von Facebook, unter dem zweifelhaften Vorwand mit der neuen DSGVO im Einklang zu sein, mittels einer Benachrichtigung an die Nutzer eingeführt und aktiviert. Genauer: Nutzer bekommen bald eine Nachricht eingeblendet, die etwa so aussehen soll: 

Quelle: Screenshot aus dem Facebook News Room, den Link dahin spare ich mir mal

Ein Klick auf den großen blauen Knopf, der sofort ins Auge springt, aktiviert die Gesichtserkennung bei dem Nutzer. Laut Facebook ist das eine ausreichende Einverständniserklärung im Sinne der DSGVO. Ob dem so ist, wird sich zeigen. 

Diese Benachrichtigung ist offenbar ganz bewusst im Stil einer „AGB-Vereinbarung“ gehalten. Viele Nutzer erkennen dieses Design: Ganz viel Text, ein Knopf in denselben Farben und ein hervorstechender Knopf auf dem „Akzeptieren“ steht. Der obere Knopf bringt ein Menü hervor, in dem man die Gesichtserkennung abschalten kann. Dort wird jedoch wohl kaum jemand draufklicken. Warum? Weil Facebook dieses Fenster wohl genau zu dem Zeitpunkt einblenden wird, wenn der Nutzer grade keine Zeit oder Lust hat, sich damit auseinanderzusetzen. Das können die nämlich ganz gut abschätzen. Stattdessen wird ungelesen auf „Akzeptieren“ geklickt. 

Oh, und ohne den Text gelesen zu haben, kann ich mir vorstellen, dass ein Teil der Gesichtserkennungsdaten trotzdem benutzt wird. Das wird dort mit Sicherheit, versteckt hinter juristischen Klauseln, drinstehen. Sobald mir der Text in der finalen Version vorliegt, werde ich ihn natürlich lesen und meine Annahme bestätigen. Entweder als separaten Kurzartikel oder als Anhang an diesen Beitrag. 

 

Geben Sie sich nicht zu erkennen! 

Auch wenn ihr nichts zu verbergen habt, habt ihr sicherlich was zu schützen. Lasst Fremde nicht so einfach in euer Gesicht und eure Persönlichkeit blicken. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ihr euch Freunden, Bekannten, Kollegen oder Menschen in der Öffentlichkeit zu erkennen gebt, oder einer Firma und ihren Partnern, die anhand eurer Daten ganz genau wissen, wie sie mit euch umgehen müssen, um euch zu durchleuchten und zu Dingen zu bewegen, die ihr nicht wollt.

Löscht eure Facebook-Accounts und geht sorgsam mit euren Daten um. Vermeidet versehentlich auf Facebook zu landen, indem ihr euch mit eurem Umfeld austauscht und bei Freunden und Familie ein Bewusstsein für die Brisanz dieses Thema schafft.

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