Anonyme Suche im Internet (Aktualisiert am 12.06.2018)

Gelesen in 5 Minuten

Die Drei meistgenutzten Suchmaschinen sind Google, Bing und Yahoo. Die Drei hervorstechendsten Eigenschaften: sie liefern hervorragende Suchergebnisse, sie sammeln eure Daten und sie verfolgen euch im Internet, egal wo ihr seid. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, sich den neugierigen Blicken der Drei Riesen zu entziehen. Eine davon, ist die Verwendung einer anonymen Suchmaschine.

Laut Alexa-Ranking wird Google von 1,6 Milliarden Menschen am Tag benutzt. Das sind knapp 40% der 4,1 Milliarden Internetnutzer weltweit. Bing ist mit 400 Millionen Nutzern auf Platz Zwei, dahinter folgt Yahoo mit 300 Millionen. Je nachdem wie gut diese Drei Unternehmen zusammenarbeiten, ließen sehr genaue Informationen über die Hälfte aller Internetnutzer zusammentragen. Und mithilfe von Interpolation und anderen mathematischen Tricks könnten sie die Infos der anderen Hälfte errechnen. Für den einen oder anderen mag dies wie eine Verschwörungstheorie oder reine Spinnerei klingen. Jemandem der sich mit Data-Science auseinandersetzt, wird jedoch schnell klar, dass das gar nicht so weit hergeholt ist.

Der Wunsch, sich den Datenkraken zu entziehen, wächst allmälich unter den Internetnutzern. Und auch ihr würdet diesen Blog nicht lesen, wenn ihr nicht ebenso an euren Daten interessiert wärt. Anonym im Internet zu surfen, bedarf einer Menge Vorbereitung und Umgewöhnung. Einer der ersten Schritte sollte sein, auf eine datenschutzfreundlichere Suchmaschine umzusteigen.

Im Folgenden seht ihr eine Übersicht der datenschutzfreundlichsten Suchmaschinen, die ich finden konnte. Sie alle sind mittels einer verschlüsselten Verbindung erreichbar, legen keine Cookies an und speichern weder eure IP-Adresse noch persönliche Daten oder eingegebene Suchergebnisse. Falls doch, ist es angegeben.

 

Startpage [Link]

  • Meine persönliche Empfehlung.
  • Wurde mit dem europäischen Datenschutz-Gütesiegel ausgezeichnet.
  • Verschlüsselt die Anfrage mittels Perfect Forward Secrecy und stellt sicher, dass sie nicht ausgeschnüffelt werden kann.
  • Liefert anonymisierte Ergebnisse aus dem Google-Index, ohne Anpassungen an euren Standort oder eure Interessen.
  • HTTP-Übertragungsmethode kann in den Einstellungen auf POST gestellt werden.

Startpage hat seinen Sitz in den Niederlanden und betreibt Server in der EU und den USA. Laut eigener Aussage werden Anfragen innerhalb der EU auch nur von  Servern in Europa verarbeitet. Die Übertragungsmethode auf POST zu stellen, bietet zusätzlichen Schutz der Privatsphäre, da die eingegebenen Suchbegriffe nicht in der Adresszeile auftauchen und bösartige Browseraddons diese somit nicht dort auslesen können.

 

Duckduckgo [Link]

  • Verschlüsselt die Anfrage ebenfalls mittels Perfect Forward Secrecy.
  • Nutzt einen eigenen Index, der hervorragend mit den Ergebnissen von Google mithalten kann.
  • Keine deutsche Datenschutzerklärung und somit als unzulässig zu betrachten
  • HTTP-Übertragungsmethode kann in den Einstellungen auf POST gestellt werden.

Die Server von Duckduckgo stehen allesamt in den USA. Auch wenn die Nutzung dank der starken Verschlüsselung so gut wie nicht von anderen erkannt werden kann, ist das Unternehmen den US-Gesetzen unterworfen und muss den dortigen Behörden Zugriff auf die Systeme gewähren.

 

MetaGer [Link]

  • IP-Adresse wird anonymisiert.
  • Stellt die Suchergebnisse aus zahlreichen anderen Suchmaschinen zusammen.
  • Wird in Deutschland betrieben und unterliegt dem deutschen Datenschutzgesetz

Die Suchergebnisse sind durchaus brauchbar. Die IP-Adresse nur zu anonymisieren wird, stellt jedoch keine vollkommen anonyme Suche dar. Laut eigener Aussage wird die IP für 96 Stunden gespeichert, um die Last auf den Servern zu reduzieren. Es ist jedoch in der Theorie möglich, damit weitere Auswertungen anzufertigen. Die eingegebenen Suchergebnisse werden wohlmöglich ebenfalls gespeichert. Der Betreiber betont, dass sich daraus jedoch keine personenbezogenen Daten gewinnen lassen, weil die Ergebnisse “keine Feste Struktur aufweisen“. Ich könnte dem widersprechen, wenn die IP nicht nach 96 Stunden gelöscht werden würde.

 

Qwant.com [Link]

  • Ihr bleibt anonym, solange ihr dort kein Konto anlegt
  • Speichert keine Nutzerdaten.
  • Nutzt einen eigenen Suchindex, der hervorragende Ergebnisse liefert.

Qwant hat es mit den Cookies zunächst nicht so genau genommen. Offenbar wurde die Kritik diesbezüglich aber zu groß, sodass (zumindest bei meinen Tests) kein Cookie erzeugt wurde. Wenn ihr dort ein Konto anlegt, erhaltet ihr Zugriff auf zahlreiche Zusatzdienste. Eure Anonymität gebt ihr damit jedoch ein Stück weit auf.

 

fragFINN [Link]

  • Datenschutz optional.
  • Kindgerechte Suchergebnisse.

Da fragFINN speziell für Kinder vorgesehen ist, sind die Ergebnisse sorgfältig ausgewählt und werden ständig aktualisiert und geprüft. Laut Datenschutzerklärung werden Zahlreiche persönliche Daten gesammelt. Offenbar nutzen die Betreiber Google Analytics, da sie den Download eines Tools anbieten, dass diese Datensammlung unterbindet. Von daher solltet ihr unbedingt sicherstellen, dass dieses Tool bei euren Kindern auf den Geräten installiert ist, oder die Analyse auf anderem Weg unterbunden wird.

 

unbubble [Link]

  • Eine Metasuchmaschine, die sich besonders darauf konzentriert, neutrale Suchergebnisse zu liefern.
  • Betrieb in Deutschland, sodass unser als besonders streng geltendes Datenschutzgesetz greift.

Über die Neutralität von Suchergebnissen lässt sich natürlich diskutieren, da sie sich kaum effektiv messen lässt. Laut eigener Angaben, werden die Ergebnisse mittels eines besonderen Verfahrens zusammengestellt, das nicht näher beschrieben wird. Ich habe diese Suchmaschine einige Zeit getestet und bin durchaus zufrieden.

 

Welche ist die Beste?

Eine klare Empfehlung auszusprechen ist schwer. Für mich persönlich kommt nur Startpage infrage. Allerdings kommt es stark auf euer Suchverhalten an. Jemand, der hauptsächlich so viele verschiedene Quellen wie möglich zu seiner Suchanfrage sucht, wird mit einer Metasuchmaschine eventuell mehr Erfolg haben. Nutzer, die aus Gewohnheit immer die gleiche Art von Dingen suchen, um Ergebnisse aus denselben Quellen zu erhalten, werden mehrere Anbieter auf ihre “Treffgenauigkeit” testen müssen. Das Auge isst bekanntlich auch mit, sodass die funktionale Oberfläche von MetaGer eventuell abschreckt und die von Qwant sympathischer wirkt. Schaut euch selbst um, denn die Zeit lohnt sich allemal. Eure Metadaten würden es euch danken, wenn sie könnten.

 

Datenleck Standardsuche

Beachtet bitte, dass in vielen Browsern (sowohl mobil als auch Desktop) eine Standardsuchmaschine eingestellt werden kann/muss und diese schon während der Eingabe von Daten in die Adressleiste oder das Suchfeld damit beginnt, Daten zu senden. Es ergibt keinen Sinn auf eine anonyme Suchmaschine zu wechseln, wenn der Browser die Eingaben der Adresszeile immer noch an Google sendet. In den gängigsten Browsern lässt sich die Standardsuche einstellen. Falls ihr nicht wisst, wie das geht, nutzt die Gelegenheit und probiert eine der Suchmaschinen aus um eine Anleitung zu finden. Im iPhone lässt sich die Standardsuche über die Einstellungen ändern. Bei Andoid-basierten Geräten ist dies wiederum browserabhängig.

 

Aktualisiert am 12.06.2018

Ein User auf Mastadon hat mich darauf hingewiesen, dass man bei Startpage und Duckduckgo, die HTTP-Sendemethode in den persönlichen Einstellungen auf POST stellen kann. Ich habe den Beitragstext an den entsprechenden Stellen angepasst. Danke an @cucumber_demon.

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