#deletefacebook

Nach dem letzten Datenschutzskandal habe ich versucht meinen Facebook-Account zu löschen. Dabei bin ich nicht der einzige. Viele Privatpersonen und sogar einige große Firmen haben unter dem Hashtag "#deletefacebook" zur Löschung von Accounts aufgerufen. Einige sind sogar mit gutem Beispiel vorangegangen und haben ihren Account ebenfalls gelöscht.

Auch wenn die Reaktionen in den meisten Medien eher einem Ironischen "ach, wer hätte das gedacht" gleichen, hat dieser Skandal das Thema Datenschutz auf Facebook neu entflammt und auf eine ganz andere Ebene gehoben. Ich hoffe wirklich sehr, dass es sowohl für Facebook schlimme Konsequenzen haben wird und auch viele Nutzer der Plattform ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Warum hatte ich überhaupt einen Account?

Kurz gesagt: Ich war jung und neugierig. Die AGBs von Facebook habe ich natürlich gelesen und mir sofort meine Gedanken gemacht. Soll ich wirklich meine privaten Gedanken ins Internet stellen? Am Ende war die Neugier größer und ich redete mir ein, dass ich ja die Kontrolle über meine Daten habe und stets entscheiden kann, wer was mitbekommt und wer nicht.

Facebook ist eine bequeme Plattform, um mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu bleiben und schnell das neuste über Themen zu erfahren, die einen brennen interessieren. So kam es, dass ich mehr und mehr über mich selbst preisgegeben habe, teilweise sogar unbewusst. Der Lohn war eine stetige Flut von Themen, von denen ich glaubte, dass sie mich betreffen oder interessieren müssen. Und so geht es jedem Nutzer links und rechts von mir. Der Preiss den wir dafür gezahlt haben, oder noch zahlen, wird uns nur schwer bewusst.

Jede Änderung der AGB wird angekündigt und wurde jedes Mal mit mehr und mehr Bauchweh von mir mit einem Klick auf "akzeptieren" durchgewunken. Natürlich nicht ungelesen, daher erinnere ich mich gut an die Aussage, dass die persönlichen Daten nicht von Facebook verkauft oder in anderer Form weitergegeben werden. Das Facebook Ihnen und mir verspricht unsere Daten nicht zu verkaufen und es dann doch tut, ist für mich der Anlass, der "#deletefacebook"-Bewegung zu folgen und meinen Account ebenfalls zu löschen.

Löschen ist nicht gleich löschen

Im Facebook-Film "the social network" heißt es: "Im Internet schreibt niemand mit Bleistift, sondern mit Tinte.". Wie wahr diese Aussage ist, zeigt sich mir schon beim ersten Versuch den Account zu löschen. In den Einstellungen findet sich lediglich ein Knopf zum "deaktivieren" des Accounts. Der Hinweistext dazu informiert darüber, dass die Daten weiterhin allesamt gespeichert bleiben. Für den Fall, dass man es sich anders überlegt und irgendwann zurückkommen will. Facebook selbst wird wissen, wie oft das vorkommt und diese Funktion eingebaut haben, um den eigenen Support zu entlasten und den Nutzern mehr Freiraum zu geben. Grundsätzlich finde ich das erst mal Okay.

Nutzt man diese "Deaktivieren"-Funktion, ist der Account auch tatsächlich erst mal weg. Man wird nicht mehr gefunden, bekommt keine Mails mehr von Facebook und ist scheinbar von der Plattform verschwunden. Sobald man sich jedoch ein Mal mit seinen alten Daten einloggt, ist alles wieder da. Zugegeben, das muss einem aber klar sein, bevor man auf "deaktivieren" klickt.

Wie bekommt man ihn nun ganz und gar gelöscht?

Ich bin diesem Anleitung gefolgt. Nachdem ich die Schritte durchgegangen bin, kam prompt die Mail mit der Bestätigung und dem Hinweis, dass die Löschung ca. 14 Tage dauern wird und ich dann nochmals informiert werde. Was daran so lange dauert, kann ich aus technischer Sicht kaum nachvollziehen. Aber gut, solange das Ergebnis stimmt hab ich keine Einwände.

Mein Profil war sofort weg. Ob die Daten auch wirklich verschwinden, kann ich nicht sagen, da ich mich innerhalb der 14 Tage nicht mehr einloggen darf. Tu ich es doch, wird das als Rückzug gewertet und die Löschung wird storniert. Danach sollte mir ein Einloggen gar nicht mehr möglich sein.

3 Tage danach: bitte loggen Sie sich ein

3 Tage nach der Löschaktion bekam ich eine Mail, dass jemand versucht habe, sich mit meinen Daten anzumelden. Man wies darauf hin, das mein Account sicher sei und ich keine Schritte unternehmen muss, falls ich das selbst war. Falls nicht, möge ich mich doch bitte einmal anmelden um zu prüfen ob alles in Ordnung ist.

Und schon kommen Zweifel auf. War da jemand dran? Ist der Löschung jetzt abgebrochen? Wird sie abgebrochen, wenn ich mich jetzt nicht einlogge? Oder findet sie dennoch statt? Was soll "der Account ist sicher" bedeuten? Wie sicher ist er, wenn sich einer versucht anzumelden und ich direkt darüber informiert werden muss?

Was auch nun daraus wird. Ich kann es erst beantworten, wenn die 14 Tage um sind. Sobald das geschehen ist, werde ich eine Selbstauskunft anfordern und versuchen herauszufinden, welche Daten noch übrig sind. Doch selbst wenn die Antwort nur ein förmliches "keine Daten vorhanden" enthält, bleibt ein mulmiges Gefühl der Reue. Denn das was sie weitergegeben haben und was ihn ihren Back-ups archiviert liegt, werde ich wohl nicht so schnell gelöscht bekommen.

05.04.2018